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Sonntag, 13. Juli 2014

AUFWÄRTS (TROTZ REGEN)

Über Paris sieht es tagsüber noch immer aus, als wär es November.
Aber immerhin bin ich genesen und freu mich über die wiedergewonnenen Kräfte. So eine unfreiwillige Auszeit kann einen ganz schön läutern. Da ist nicht nur der Vorsatz, in Zukunft achtsamer mit mir zu sein, sondern auch die Einsicht, dass ich mir häufig Druck mache, wenn es eigentlich nur um Kleinigkeiten geht.

Diese drei, vier Tage haben mir Stille in den Kopf geweht. Und den Gedanken an den Sommer, den ich beschließe, zu genießen. Und plötzlich steht die zu schreibende Abschlussarbeit gar nicht mehr so übergroß vor mir. Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte: Doch noch ein Flugticket nach Hause zu buchen, um am Sommerende ein paar Tage mit meinen Lieben im Norden verbringen zu können. Und noch ein paar andere wachsende Pläne im Kopf.



Auch habe ich mich wieder hinausgewagt, erst nur auf den Balkon (wenn es gerade nicht regnete), dann auch ein paar Stunden in die Stadt und die Geschäfte. In unserem Viertel wird es langsam ruhiger, viele sind in die Ferien gefahren. Fehlt nur noch die Rückkehr des leichten, sommerlichen Flanierens, das ich vermisse.


Und nun ... (natürlich daumendrückend den 11 gleich für DAS Finale) träum ich mich in gute Aussichten.


Freitag, 27. Juni 2014

LANGER JUNIABEND

Der letzte Post war ein Befreiungsschlag für die kommende Arbeitsphase und ich gehe sie begleitet von euren guten Worten an. Danke!

Freitag ist es also schon wieder. Dann und wann habe ich mich mal wieder ablenken lassen, aber gerade diese Zerstreuungen bleiben mir im Sinn, wenn ich auf die vergangenen Tage zurückblicke.

Zum Beispiel kam da eine wunderbare Bücherpost aus Deutschland eingeflattert: Ich habe mir nach längerem Liebäugeln die Literaturzeitschrift Poet bestellt. Und in ihr bin ich versunken in eine dichte, vielfältige Sammlung von zeitgenössischen Texten, in kurze Prosastücke, Lyrik und Kommentare. Dazu liebevolle Illustrationen und ein angenehmes Buchformat. Auch der Poetenladen ist einen virtuellen Besuch wert für den, der sich für das Schreiben von Heute interessiert.

Gestern spät abends haben F. und ich endlich einmal To Rome with Love geschaut. Ein kleiner, warmer Gedanke ging an Mutti, meine Brüder und unseren Trip nach Rom im letzten Herbst. Überhaupt finde ich die neueren Woody Allen Filme herrlich leicht und unterhaltend. Midnight in Paris ist einer meiner Lieblingsfilme. Trotz Clichés und leichter Verklärung.

Die Abende waren das Beste an dieser Woche. Die kürzesten Nächte des Jahres. Lange Öffnungszeiten im Park. Erst nach 22h dann irgendwann die schönsten Abenröten über Paris. Abendspaziergänge zu zweit, um zu erzählen und den Tag zu schließen.
Es folgen also Bilder eines abendlichen Jardin du Luxembourgs, wo wir vor ein paar Tagen ein wenig verweilten, Menschen beobachteten und Lindenblütendüfte genossen.







  Auf ein letztes Juniwochenende in diesem Jahr ...

Montag, 9. Juni 2014

SOMMER VORM BALKON

Das war eines der schönen Wochenenden. Diese, die man irgendwie als Gefühl in Erinnerung behält. Dabei ist nichts Besonderes geschehen. Zu zweit in Paris, Sonne und Hitze, nachts Gewitter und Regen, Junitage, wie sie sein können. F. und ich waren arbeitsam, Zeit für einen kleinen Ausflug zum Einkaufen haben wir uns nur am Samstag Vormittag genommen. Ansonsten haben wir die Tage zwischen Bildschirm, Balkon und Küche verbracht.

In Kürze muss ich eine kleine letzte Hausarbeit abgeben, bevor ich mich dann wirklich ganz der Masterarbeit widmen kann. Beide "Baustellen" habe ich still und gelassen am Wochenende vorangebracht. Gedankenblitze beim Lesen notiert, Ideengeflechte auf Schmierblättern verbildlicht. Eine gut durchdachte Gliederung zu schaffen, bedarf bei mir eben auch viel freien Hin- und Herdenkens ohne Druck. Und plötzlich fällt mir zwischen den Zeilen der entscheidende Zusammenhang auf. Ich hoffe auf viele solche produktiven Stunden in diesem Sommer, der kommt...

Die Abende verbrachten wir auf dem Balkon, wo Licht und seidige Farbnuancen über der Stadt wieder einmal staunen ließen. Und diese Wärme! Fühlte sich wie Urlaub an. Man möchte kurz die Zeit aufhalten, einatmen, ein Wort dafür finden, oder einfach gar nichts sagen ....








Dienstag, 3. Juni 2014

KURZER SÜDEN







Paris im Mai –
der Abend zieht 
in roten Linien 
vorüber,
darin die Amsel 
ihre Molltöne
zu Samt verwebt.

das Licht ist kurz
dem Süden
entliehen. es wiegt 
sich noch von Mast
zu Mast und 

Dach für Dach 
errötet 
und 
verblasst. 

© Lyra

Erste Junitage, Paris ist bewölkt und kühl. Ich hänge einem Gedanken zurück in den Mai nach.
Da waren diese südlichen Abende, wie ausgeliehen, denn Sommer ist noch nicht. Man sehnt sich den Winter lang danach: mit einem Glas Wein, in guter Gesellschaft draußen sitzen zu können, bis sich erst spät abends das Licht verfärbt. 

Mit F. genieße ich das sehr. Wie schon im April.
Dabei das Schwirren der Schwalben in der Abendröte.
Ein Schälchen mit Feta, Tomaten und frischen Balkonkräutern. Zwei Gläser, ein Holzbrett zwischen uns. Das Erzählen vom Tag. Die Flüchtigkeit dieser Stunde mitten in der Woche. Ihr Geschmack von Süden ...
Der Sommer kommt.








Donnerstag, 10. April 2014

Wenn es Abend wird in Paris ...



Abendrot

die Sehnsucht 
der Füchse
Abendrot
über 
den Städten

—Mario Wirz

Ich sitze, mache dies und das, mal wieder so eingenommen, abgelenkt, zerstreut. Ich sehe kurz auf. Da ist wieder das Abendwerden am Himmel. Mach die Augen auf, nimm die Fuchsröte, die sich da draußen auf die Dächer legt, mit allen Sinnen wahr!

Schließlich stehe ich auf, um doch noch die Kamera in die Hand zu nehmen...



Das Licht ist weich und fließend. Ich kann durch die klare Luft bis zum Sacré Coeur schauen (so weit geht die Sicht im Winter meist nicht ...). Es steht dort bleich wie ein Märchenschloss.


Das Panthéon, zurzeit in Renovation, steht da wie eine beleibte Majestät im Morgenmantel.

Im Vorhang verfangen sich die fliegenden Gedanken.

Ich zoome die Fassaden, die Fenster, die Menschen hinter ihnen, ihre Geschichten heran. Fenster zu Dachkammern, Büros und großzügigen Wohnungen der Bourgeoisie... durch manche sieht man jeden Abend helles Licht, andere sind immer dunkel.



Zurzeit gibt es oft solche rötlichen Abendstunden in Paris. Man kann sich daran nicht sattsehen. Wenn ich an manchen Tagen gegen 20h aus der Metro auftauche und durch die Straßen nach Hause gehe, ist es zwar noch ganz hell, aber das Licht wird schon so weich, wie im Sommer, wie im Süden. Dann müsste man sich an einer kleinen Kreuzung in ein Café setzen, den Kopf in die Hand legen und beobachten, wie allmählich Ruhe in die Geschäfte und den Gang der Menschen kommt...


Sonntag, 23. März 2014

Seiltanz zwischen Leicht und Schwer

"Ich bin aber damit nicht einverstanden,
Dass es schwer sein soll. Ich will es leicht.
Darum übe ich mich, die Schwerkraft zu zwingen,
Übers Seil zu laufen und dabei zu singen, 
Um endlich auf einer Wolke zu landen."
(Wann ist die Balance erreicht?)

(Eva Strittmatter "Balance")






Rot & Blau, leichtfüßig & schwermütig, hell & trüb.

Die letzte Woche war voll von blauen Tagen und roten Abendhimmeln, mancher Tag einfach ins 'Blaue hinein', mancher geordnet nach Terminen. Oft bin ich kaum sicher, ob etwas gestern oder vor 3 Tagen war.





Da waren:

Stunden vor Bildschirm und Hausarbeiten | ausgedehnte Morgenrituale | Nachmittage mit meinem Schützling & seinen vielen Hausaufgaben | viel Metro | viele Birkenpollen | ein langer Babysitting-Samstagabend (bei dem mir F. Gesellschaft leistete) | ein, zwei Spaziergänge im Park mit Notizbuch & Fotoapparat | wenig Kochen & dennoch Küchenchaos | Ansätze von Plänen für die feiertagsreichen April- und Maiwochen.

Manches wurde auch auf die lange Bank geschoben... Mein Alltag ist jetzt so anders, schneller und irgendwie zerrissener, als während der Semsterzeit an der Uni. Es ist manches Mal eine Überwindung, mich wieder in die Theorie hineinzudenken, so umgeben von reizvollen Ablenkungen. 

Ein unglaublich fotogener Himmel im März. Die Kamera muss immer in Fensternähe liegen!

5-6 Minuten... nur noch schnell Kaffeetrinken, Wäsche falten, die Email schreiben ...

Eine gute Woche also. Und die nächste, letzte Woche des Monats steht vor der Tür.

Jetzt aber erst einmal sonntäglich ausruhen.

Freitag, 21. März 2014

Im Jardin des Plantes – ein Rückblick




Erinnerung an letzten Sonntag Hand in Hand mit F. Meine Kraft reicht nur für eine Stunde Spaziergang aus, daher muss das Ziel gut gewählt sein. Wir setzen uns den Bus. Schon seit Freitag sind die öffentlichen Transportmittel wegen starker Luftverschmutzung kostenlos... 
Es geht in den Jardin des Plantes, einen großzügig angelegten Botanischen Garten im 5. Arrondissement. 
Kennt ihr ihn?

Gegen die Spätnachmittagssonne kommen uns zahllose Spaziergänger entgegen. Man sieht beinah nur ihre Umrisse. Wie im Schattentheater. 



In den nächsten Wochen werden die Bäume wieder aufsprießen. Aber auch diese feingliedrigen, kahlen Wintergeäste haben ihre Anmut, finde ich. Es war kaum Winter, da wird es schon Frühling. Oder sagt man das jedes Jahr?

Durch die Zweige blinzelt ein Fensterauge. Schon witzig, wie man versucht, sich in Stadtparks wie in der freien Natur zu fühlen. Un peu de verdure, ein bisschen ins Grüne. Großstadt bleibt es dennoch, das Motorenrauschen hört nie auf. 

 Auf dem Rückweg durchqueren wir noch kurz vor Schließen der Tore den Jardin de Luxembourg. Die Sonne steht tief, wieder viele viele Menschenumrisse. 

So ging der Sonntag zu Ende. 

Nun ist Freitag. Ich sitze am offenen Fenster und es tropft draußen auf den Balkon. Endlich Regen! Die Pollen und die Luftverschmutzung machen mir zu schaffen. Nach so vielen unglaublichen Sonnenstunden bin ich auch gerne bereit, ein paar nasse, graue Tage hinzunehmen. 

Ich wünsche euch einen schönen Tag am Ende der Woche!

Montag, 17. März 2014

Abendmomente unter freiem Himmel

Wenig poetisch: Ich stehe eine Erkältung aus. Dabei war das Wochenende nochmal so wunderbar sonnig in Paris. Ich konnte in meinem benebelten Zustand also nicht die üblichen Spaziergänge und Einkaufstouren mit F. machen. Auch für die Uni habe ich außer ein paar Notizen, um mir später das Ausformulieren zu erleichtern, nichts geschafft. Meine Augen fielen vor dem Bildschirm zu und ich konnte nicht weiter denken als bis zu meiner verstopften Nase und dem rauen Hals. Aber auch das gehört zur Achtsamkeit: Akzeptieren, dass man phasenweise hinter seinen Erwartungen zurückbleibt. Und Entschleunigen, bis man wieder zu vollen Kräften kommt.


Vom Sofa aus hat mich dieser seidige Abendhimmel auf den Balkon gelockt. Hier stehe ich, lege meinen Kopf in den Nacken und sauge Luft und Farben in mich ein. 

Zu jeder Tages-und Nachtzeit hält der Balkon einen Fächer an Lichtnuancen, Stadtrauschen und Gerüchen bereit. Da sind Schwalbenflüge und Rufe aus den Straßen, da ist die Pariser Skyline, ein mal scharfer und weitläufiger, mal dunstig-verschleierter Horizont. 
Selbst wenn ich den ganzen Tag drinnen verbracht habe, kann ich hier meine tägliche Dosis Stadtflair einatmen.


Ob ein Leben ausreicht, um jede mögliche Variation des Abendwerdens einmal gesehen zu haben?



    



Ist ein Dächermeer eigentlich auch ein Meer? (schön wärs, mal wieder in heimatlicher Ostsee-Nähe zu sein)
... und wenige Minuten später hat sich alles schon wieder verzogen und es wird dunkel. Liebt ihr auch solche Himmel?