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Sonntag, 20. Juli 2014

IN SOMMERZÜGEN ... NACH LOTHRINGEN

Sommer ist:
wenn das Zimmer bei halbgeschlossenen
Jalousien vor sich hin dämmert,
wenn eine einsame Fliege brummend
das Freie sucht und nicht findet,
wenn draussen Zikaden zirpen
bei brütender Hitze, während über
die Fliesen Lichthasen huschen,
zitternd weisse Geschöpfe,
und Vasen, Töpfe, Krüge als
Stilleben gänzlich ruhen.


– Ilma Rakusa, "Sommer"

Und Sommer ist auch das Reisen in leisen Zügen durch die weite Landschaft. Das Dösen am Fenster mit beinah zerliebter Musik in den Ohren, durch die noch das Rattern der Fahrt dringt. Unterwegssein, einmal wieder in den Osten Frankreichs, zu Besuch ins lothringische Metz.

 Sommer ist auch das Ankommen am Bahnhof, in der Mittagshitze. Mit leichtem Gepäck die Freundin zu erwarten und einander in Wortschwällen die vergangenen Wochen zu erzählen.


Sommer ist, durch die Stadt zu schlendern, durch schattige Straße und über stille Plätze. Zum Campus zu gehen, wo wir ein paar Monate zusammen studierten, und jenen langen Winter zu erinnern.


 Sommer ist auch, am Wasser zu sitzen, bei Weißwein und im Schwirren der Libellen. Zu träge zum Fotografieren zu sein und lieber Worte plätschern zu lassen ...

... um irgendwann spät abends in leichte Decken zu fallen.



In Sommerzügen durch weite Landschaften zurück. Das sind die Fahrtstunden, in denen der Geist wandert und an kaum ein Hindernis stößt. Kennt ihr es? Ein leichtes Flattern, Träumen, Erinnern. Summertime ... and the livin is easy. So ist es.

 

Dienstag, 15. Juli 2014

EIN LANGER VIERZEHNTER JULI

Das ist der Tag, an dem Frankreich feiert. Sich an die Revolution erinnert, den Sturm auf die Bastille, die bald darauf ausgerufene Erste République. Es ist ein Tag, an dem ich morgens von Fliegergeräuschen aufwache und von Weitem die pathetische Musik der Paraden hereinweht. Diese feierlichen Aufmärsche auf den Champs Elysées kann man finden, wie man möchte ... dass es einen Feiertag mitten im Juli gibt, ist zumindest nicht unangenehm.

F. und ich machen uns feiertäglich auf einen langen Spaziergang, wie wir es schon so oft gemacht haben. Einfach losgehen, erzählen, beobachten, bekannte und unbekannte Straßen nehmen, weiter, immer weiter. Wir gehen unser 6.Arrondissement hinunter bis zur Seine, an der wir bis zum Jardin des Plantes entlangschlendern. Am Wasser sitzen und picknicken Menschen – endlich wieder Sommergefühle ... die manche sogar zu spontanen Tänzen inspirieren.  


Unser Spaziergang geht noch lange weiter und am Ende kommen wir wieder im Jardin de Luxembourg an, wo ich meine Beine ausruhen kann.
Ich frage mich, ob es überhaupt einen anderen Weg gibt, so eine Stadt wie Paris halbwegs zu begreifen, zu fassen, als häufig lang, lang zu gehen, mit offenem Blick einzusaugen und gleichzeitig halbträumend Gedankensprünge zwischen Erinnerungen und Assoziationen zu machen.

Abends fahren wir zu Konzert und Feuerwerk zum Eiffelturm, wo schon Tausende das Champs de Mars füllen und Anna Netrebko auf der Bühne steht. Im Abendrot scheint die Luft zu vibrieren: die Musik, die Sommerwärme, die überwältigende Menschenmasse ...


Bis sich diese Energie im Feuerwerk entlädt und sich die Lichter in den Augen der Menschen spiegeln. F. steht hinter mir und meine Beine sind so erschöpft vom Tag. Merci la France, für diesen schönen Feiertag. Auch ich spüre da nachts vor dem Eiffelturm, wieviel mich mittlerweile mit diesem Land verbindet. Bald sieben Jahre her, dass ich für ein Jahr kam und dann eine längere Geschichte daraus wurde. Die erzähle ich ein andermal ...
 

Mittwoch, 23. April 2014

EIN TAG NORMANDIE UND ZURÜCK

Ausflüge. Ich liebe es, auszufliegen. Unterwegs zu sein. Beweglich zu sein. Gerade in letzter Zeit wurde mir die Großstadt ein wenig anstrengend und die Luft zu dick.

So haben F. und ich beschlossen, das Osterwochenende zu verlängern und einen Urlaubstag an der Nordküste Frankreichs zu verbringen. Ein Auto ist in Paris schnell gemietet. Wenn man dann die 2 Stunden Fahrt in Kauf nimmt, kann man ohne große Planung eine ganz andere Region entdecken, endlich frische, salzige Luft atmen und weite Landschaften und Strände mit wenigen Menschen genießen. Das Ziel vieler Großstädter ist Deauville in der Normandie, ein ziemlich eleganter und mondäner Ort. Das Zentrum ist hübsch und lebendig, der vielen teuren Boutiquen waren wir aber schnell müde. Interessanter ist es, die Passanten (Pariser, Belgier, Briten...) zu beobachten und einen Blick auf den Wochenmarkt mit seinen Regionalprodukten zu werfen.
Nach dem Mittagessen auf einer Terrasse zog es uns an den Strand, der quasi menschleer war (wie schön!). Das rauhe, feuchte Wetter tat richtig gut. Wind im Gesicht zu spüren und Wellenrauschen in den Ohren zu haben ...

Am Ende des Nachmittags fuhren wir über kurvige, nasse Landstraßen noch durch ein paar andere Küstenorte. Wir streiften Bauernhöfe und Weiden, fuhren an saftig grünen Hügeln vorbei. Ich hatte richtig Lust, zu bleiben und mehr zu entdecken. Mein Herz schlägt wohl doch sehr für das Ländlich-Charmante, das Unspektakulär-Versteckte, das Meer ... so habe ich F. versprechen lassen, dass wir wiederkommen. Und dass wir neugierig bleiben auf die wunderbar vielfältige, französische "Province", wie man hier alles zu nennen pflegt, was nicht Paris ist.

Schön war es!