Um einen samstäglichen Kaffee spielt die Sommerzeit ihr Lied. Bei Ninjas virtuellem Kaffeekränzchen reihe ich mich zum zweiten Mal mit ein.
Zu Hause bei F. und mir geht es augüstlich zu, ohne Eile und, da Wochenende ist, blau in den Tag hinein. Es hat in den letzten Tagen platzend geregnet und Paris verschwand hinter einem verschwommenen Vorhang, hier und da Lichter und grüne Alleen.
Da ich mich unter der Woche vornehmlich mit der Masterarbeit hinterm Schreibtisch verschanze, ist mir so ein Wetter ohnehin willkommen. Ich bin mitten in der Schreibphase, noch gut in der Zeit, aber schnell ermattet vom Springen zwischen unzähligen Quellen und dem möglichst eleganten Verweben von fremdem Gedankengut und eigenen Schlüssen. Immerhin stockt es nicht wirklich, es gilt nur und vor allem durchzuhalten.
Vielleicht ist das Beste an diesem Sommer sogar das Gefühl, ganz bald mit der letzten Herausforderung des Studiums fertig zu sein und hinter dieser Hürde schon die nächsten Pläne und Wege heranwachsen zu spüren.
Im August geht in Paris alles etwas langsamer. Unser Stammbäcker Julien hat zu unserem Leidwesen geschlossen, das sonst omnipräsente Hausmeisterpaar (concierges) unsereres Gebäudes ist im Urlaub, im Fernsehen laufen abends seichte Filme, die auf Campingplätzen oder an der Côte d'Azur spielen. Es fühlt sich wie eine Zwischenzeit an, dieser Pariser August.
Und es gibt viel zu unternehmen. Die großen Parks bieten Freilichtkino an, so saß ich letzte Woche mit der lieben V. in der Dämmerung bei einem Glas Wein vor einem (leicht verjährten) französischen Film im Parc de Choisy. An der Seine gibt es wieder Paris Plage (einen schmalen, künstlichen Stadtstrand) und hier und da kostenlose Konzerte. Und mein Spazier-Bedürfnis, und sei es bei Regen, kann ich stillen, wann immer ich will.
Sommer in der Großstadt hat auch seine Vorzüge!
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Samstag, 9. August 2014
Donnerstag, 10. Juli 2014
SCHLÄFRIG IN PARIS
Schläfrig ist die Stadt. Juli ist es. Und es regnet. Über den Dächern ist der Himmel grau verhängt. Die Pfützen in den Parks werden zu Teichen. Zumindest stelle ich mir das vor. Denn seit zwei Tagen habe ich keinen Schritt hinausgesetzt. Nach ein paar weißen Nächten (Mückenkämpfe. Schlaflosigkeit.), ein paar Mal im Regen nass geworden sein und drei, vier eng gequetschten Metrofahrten hat es mich erwischt und ich muss krank aussetzen. Um mich herum: Nichts als diese vier Wände und das Nieseln am Fenster.
Die Welt bleibt draußen. Vom Fenster aus scheint auch die Stadt zu kränkeln, so grau in grau und melancholisch, fast mitten im Juli. Wohin ist der Sommer? Was ist mit Leichtigkeit?
Also verbringe ich die Zeit in Decken und Kissen mit Tee, Film und Buch, vor mich hindösend. Was wohl der Rest der Welt macht, die Leute draußen, die Menschen in den Büros? Mir scheint von meinem Elfenbeinturm aus, dass ganz Paris brachliegen muss, so wenig Geräusche dringen herein. Das Telefon klingelt nicht. Die Nachbarn hört man nicht. Wie spät es wohl überhaupt ist?
Nur gut, dass F. einen guten Teil des Tages bei mir ist. Die Gespräche halten den Geist wach.
Was gibt es der Welt zu sagen? Nicht viel. Vielleicht: Gute Nacht.
Die Welt bleibt draußen. Vom Fenster aus scheint auch die Stadt zu kränkeln, so grau in grau und melancholisch, fast mitten im Juli. Wohin ist der Sommer? Was ist mit Leichtigkeit?
Also verbringe ich die Zeit in Decken und Kissen mit Tee, Film und Buch, vor mich hindösend. Was wohl der Rest der Welt macht, die Leute draußen, die Menschen in den Büros? Mir scheint von meinem Elfenbeinturm aus, dass ganz Paris brachliegen muss, so wenig Geräusche dringen herein. Das Telefon klingelt nicht. Die Nachbarn hört man nicht. Wie spät es wohl überhaupt ist?
Nur gut, dass F. einen guten Teil des Tages bei mir ist. Die Gespräche halten den Geist wach.
Was gibt es der Welt zu sagen? Nicht viel. Vielleicht: Gute Nacht.
Samstag, 5. Juli 2014
IN RAHMEN UND FARBEN

Vor Kurzem habe ich einen ganzen Stapel nicht mehr ganz neuer Fotorahmen geschenkt bekommen. Wie unten zu sehen, verströmten sie im Urzustand allerdings eine eher altmodische Aura. Nachdem die Rahmen ihre Zeit dann einige Wochen in einem Versteck neben dem Sofa gefristet hatten, packte es mich diese Woche plötzlich, ihnen einen neuen Anstrich zu verleihen.
Es war Abend und ich allein zu Haus. Auf dem Balkon, wo es zurzeit unendlich lang hell ist, machte ich mich kurzerhand mit Pinsel und Farbe ans Werk.
Eine sorgfältige Bastlerin war ich leider noch nie ... hier und da ein wenig übermalt, ließ sich die Farbe hinterher glücklicherweise noch abkratzen. Wie auch immer, nun strahlen die Rahmen und dürfen in Benutzung kommen. Ein paar stehen nun schon bebildert auf dem Regal. Und ich bin nicht wenig stolz, zwischendurch kurz mal kreativ gewesen zu sein.
°°°
Die kleinen Kunstdrucke zeigen übrigens Werke des rumänischen Künstlers Horia Bernea, über den mir in Paris durch Zufall ein Heft in die Hände gefallen ist. Ich konnte es nicht einfach so wegschmeißen und habe damals die schönsten Seiten ausgeschnitten... zum Glück!
![]() |
| Horia Bernea (1938-2000) – Coloana (Die Säule) |
Samstag, 28. Juni 2014
SAMSTAGSKAFFEE
Et me voilà, heute mache ich mit. Denn Kaffee ist tatsächlich eine Quelle von Genuss und läutet ganz unaufgeregt das Wochenende ein. Und außerdem wird unser Frühstücks-(und Allround-)tisch gerade von einem entzückenden Strauß Rosen geschmückt, den ich gestern von meiner lieben Bekannten K. geschenkt bekam. Und so ein erfrischender Anblick musste festgehalten werden.
Vielleicht schaffe ich es ja ab jetzt ab und an, bei der Samstagskaffee-Aktion mitzumachen.
Un bon weekend à tous, genießt das Wochenende!
PS: andere Kaffeebilder gibts zum Beispiel hier oder hier.
Sonntag, 27. April 2014
ZWEI MONATE BLOGGEN ... UND: BEWEGTE ZEITEN
Es sind bewegte Zeiten. Was ich mag. Die vergangene (freie) Woche ist mit Ostern, Ausflügen, Essengehen und Großstadtbummeleien schnell verstrichen. Zum Wochenende war ich zwei Tage zu Studienzwecken in Lothringen und Luxemburg unterwegs (... wenn ich aus meinem Handy brauchbare Bilder ziehen kann, gibt es diese im nächsten Post). Gestern kam ich dann abends erschöpft zurück nach Paris. Es regnete und die Lichter in den Straßen und Cafés wirkten ganz verschwommen. Nur kurz fort und schon spürt man das Stadtflair wieder wie beim ersten Mal.Sonntag. Ruhe und Gedanken ordnen. Eindrücke aufschreiben. Die nächsten Tage gedanklich umkreisen: Es geht für eine kleine Woche nach Norddeutschland zurück in meine Heimat! Das letzte Mal ist nun schon wieder fast 5 Monate her. Und ich bin in freudiger Erwartung...
Bevor ich morgen erneut den Koffer packe, genieße ich erstmal den Sonntag, die frische Kühle nach dem Regen und die Erleichterung über eine Aufgabe, die ich abhaken konnte...
So wünsche ich allen einen ebenso leichtfüßigen Sonntag! Samstag, 19. April 2014
OSTERN ZU ZWEIT IN PARIS ...
Ein windiges, kühles Osterwochenende hat begonnen. Es ist so ruhig in den Straßen, viele Pariser sind in die Ferien aufs Land gefahren. Manche Boutiquen haben sogar geschlossen. F. und ich sind hier geblieben und machen es uns zwischen Schokoladeneiern, Tee und Spaziergängen gemütlich. In diesem Moment rüttelt es gewaltig an unserem Balkonfenster und es beginnt zu nieseln.
Ostern ist ein Fest, das ich als Kind geliebt habe. Den Ostersonntag empfand ich immer als einen hellen, großen Feiertag. Wenn ich daran denke, hallen in mir noch die erhebenden Kirchenlieder am Morgen und das Jauchzen, wenn wir Geschwister später unsere Nester im Garten fanden, wider.
In den letzten Jahren habe ich das Fest nicht mehr in der Familie gefeiert. Es gibt keine Kirchenlieder und kein Jauchzen mehr und es fällt mir schwer, mich hier in Paris, wo nichts meinen Kindheitserinnerungen ähnelt, auf das Fest zu besinnen. Was es eigentlich bedeutet. Ob es etwas für mich persönlich bedeutet. Ich fänd es schön, diese Tage mit Sinn zu füllen. Was einem als Kind an Traditionen bereitet und vermittelt wird, das setzt man da draußen in der Welt nicht unbedingt gleich fort.
Wir fragen uns: Wie möchten wir leben, woran glauben und welche Rituale pflegen? Die Antworten wachsen vielleicht mit den Jahren. Vielleicht sind F. und ich aber auch gerade dabei, unsere eigene, hybride, aus seiner und meiner Kultur zusammengesetzte Lebensart zu entwickeln?
Lassen wir uns von der Musik (Lied unten: Jill Barber "Petite Fleur") ein wenig leicht machen und das Wochenende (irgendwie) österlich genießen...
Was sind eure Traditionen? Alte oder neue?
Ostern ist ein Fest, das ich als Kind geliebt habe. Den Ostersonntag empfand ich immer als einen hellen, großen Feiertag. Wenn ich daran denke, hallen in mir noch die erhebenden Kirchenlieder am Morgen und das Jauchzen, wenn wir Geschwister später unsere Nester im Garten fanden, wider.
In den letzten Jahren habe ich das Fest nicht mehr in der Familie gefeiert. Es gibt keine Kirchenlieder und kein Jauchzen mehr und es fällt mir schwer, mich hier in Paris, wo nichts meinen Kindheitserinnerungen ähnelt, auf das Fest zu besinnen. Was es eigentlich bedeutet. Ob es etwas für mich persönlich bedeutet. Ich fänd es schön, diese Tage mit Sinn zu füllen. Was einem als Kind an Traditionen bereitet und vermittelt wird, das setzt man da draußen in der Welt nicht unbedingt gleich fort.
Wir fragen uns: Wie möchten wir leben, woran glauben und welche Rituale pflegen? Die Antworten wachsen vielleicht mit den Jahren. Vielleicht sind F. und ich aber auch gerade dabei, unsere eigene, hybride, aus seiner und meiner Kultur zusammengesetzte Lebensart zu entwickeln?
Lassen wir uns von der Musik (Lied unten: Jill Barber "Petite Fleur") ein wenig leicht machen und das Wochenende (irgendwie) österlich genießen...
Was sind eure Traditionen? Alte oder neue?
Samstag, 15. März 2014
Die guten Dinge des Lebens
Die guten Dinge des Lebens
sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
(Eva Strittmatter, aus: "Werte")
Bevor sich der Geschmack von Frühling wieder verflüchtigt, müssen Licht und feine Schatten in Bildern festgehalten werden. Ich kann diesem hellen Wetter in Paris kaum trauen und möchte doch die Tage so verbringen, als wären sie immer so freundlich.
Nein, das Beste kostet (fast) nichts: Luft, Wasser, Sonne, Liebe, Zeit.


sind alle kostenlos:
die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
(Eva Strittmatter, aus: "Werte")
Bevor sich der Geschmack von Frühling wieder verflüchtigt, müssen Licht und feine Schatten in Bildern festgehalten werden. Ich kann diesem hellen Wetter in Paris kaum trauen und möchte doch die Tage so verbringen, als wären sie immer so freundlich.
Nein, das Beste kostet (fast) nichts: Luft, Wasser, Sonne, Liebe, Zeit.


Dienstag, 11. März 2014
Weißer Morgen über Paris – Tagesrituale & Motivation
in den decken
auf den tischflächen
ausgestrecktes bett
der dampf von wäschestaub
märz schwirrt in den töpfen
an der tasse saugt
ein tropfen
schläfrigkeit
morgentau tapst auf
porzellanbeinen
alle wände lang
© Lyra
10 Uhr, die Fenstertür zum Balkon steht offen,
draußen ist es hell und diesig. Nachts ist ein pfeifender Wind durch Paris
gejagt. F. und ich sind morgens ziemlich kaputt, als wären wir, wie heute Nacht
das Fenster, durchgeschüttelt worden. F. geht zur Arbeit, ich nehme mir Zeit.
Ein weißer Morgen, schläfrig, in Zeitlupe. Aus den Straßen rauscht es
hintergründig hoch ins Zimmer.
Bis halb 4, wenn es mit der Metro Richtung Job geht,
gehört der Tag mir. Tagesrituale, die ein wenig Disziplin erfordern, aber
vorankommen lassen:
Lektüre (erst Uni, dann Schönes) | Wenigstens 1 Seite Hausarbeit
schreiben (kleine Schritte gehen den Weg) | Spaziergang | Persönliches
Schreiben | Ideen notieren für den Blog. Bei allem Pausen, Kaffee, die Glieder
von sich strecken. Vor allem keine Druckmauer aufbauen. Es geht nur voran, wenn
es Freude macht. Nicht vergessen, sich selbst auch zu winzigen Errungenschaften
zu gratulieren.
Ich habe schon lange für mich festgestellt, dass sich große
Aufgaben leichtfüßiger erledigen lassen, wenn ich sie auf einen längeren
Zeitraum aufgeteilt bearbeite. So habe ich schon oft Stress und Zeitdruck
vermieden und mir selbst damit ein Geschenk gemacht. Mit der Devise "Augen
zu und durch" kann ich mich nicht anfreunden. Ich richte mir die Dinge
lieber nach ihrer angenehmsten Variante ein.
Das mag hedonistisch klingen. Aber
jeder dieser Augen-zu-und-durch-Tage ist schließlich kostbare Lebenszeit. Und
meine Aufgaben werden mit der Zeit zweifelsohne eher größer als kleiner. Warum
sich also jetzt schon den Himmel trüben lassen? Lieber übe ich mich darin, mit
Vertrauen und Optimismus all die kleinen Alltagsherausforderungen zu meistern.
Gebt ihr mir Recht?
Sonntag, 9. März 2014
Mon coeur vagabond... Nochmal unterwegs.
Samstag Mittag, Paris. Ich dränge
mich durch die hoffnungslos überfüllte Metro Richtung Ausstieg, rufe
"Pardon!", dann "Ich muss hier aussteigen!", schiebe meinen
Koffer mit einem Ruck durch die Menschen, während das Signal ertönt, dass die
Tür gleich wieder zugeht. Lasst mich raus! Ich hechte im letzten Moment aus dem
Wagon. Kurzer Moment des Ausatmens nach der Enge zwischen all den Fremden. Jetzt
aber schnellstens zum Zug! Die Rolltreppen sind blockiert von Koffern und
im Weg stehenden Menschen. Also die Treppen hoch. Ich schwitze in meinem
Mantel, würge mich und den Koffer durch eigentlich automatisch aufgehende
Türen. Komme außer Atem am Bahngleis 12 an. Nach dem Adrenalin das
Glücksgefühl, es noch so heldenhaft geschafft zu haben! Im Zugabteil versinke
ich im Sitz und in den Blick aus dem Fenster.
Wo geht es nochmal hin? Ach ja.
Ich fahre an den Ort, an dem ich das Wintersemester verbracht habe. Brauche
Dokumente aus der Uni-Bibliothek und möchte mein Zimmer auf Vordermann bringen,
um es am Monatsende abgeben zu können.
Der Zug schält nach und nach aus Paris heraus, lässt
die grauen Vororte hinter sich, gleitet in die ostfranzösische Landschaft. Mein
Geist regt sich. Nach einem Monat Alltag zwischen Wohnung, Metro, Menschen und
Arrondissements erfreut er sich wieder des Unterwegsseins... und Alleinseins.
Sonnenlicht bedeckt während der ganzen Fahrt mein Gesicht. Es ist gut, in
Bewegung zu bleiben.
Abends mache ich mir Nudeln in meiner
Mini-Küchenecke im Wohnheimzimmer und schenke mir den Rest Wein ein, der noch
im Kühlschrank gelagert hatte. Das warme Gefühl von Luxus steigt in mir auf. Der
Abend liegt vor mir, ich bin allein, es geht mir so gut.
Es ist natürlich alles eine
Frage der Dosierung. Eigenbrödlerei ist köstlich, wenn man an anderen Tagen Rücksicht
nimmt oder sich im Tempo der Tage fremdbestimmt fühlt. Einsamkeit ist
belebend, wenn man um ihre Kürze wissen darf (ist sie lang, wird sie schwer).
Ich könnte die ganze Nacht nur am Fenster stehen
und dieses Lied hören.
Ist das etwa schon die leise Wehmut, die man hat,
wenn die "schöne Studienzeit" zu Ende geht?
Kann ich dieses Lebensgefühl von Einfachheit und Ungebundenheit mitnehmen, auch über die Schwelle zum Berufsleben?
Kann ich dieses Lebensgefühl von Einfachheit und Ungebundenheit mitnehmen, auch über die Schwelle zum Berufsleben?
Seltsam, wie man so viele Dinge erst zu spüren
bekommt, wenn sie zu Ende gehen.
Freitag, 28. Februar 2014
L'heure du thé – Pariser Sonntagskränzchen
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